Wenn Zähne Kopfschmerzen bereiten

Bei Beschwerden wie Rücken- oder Kopfschmerzen, Verspannungen, Tinnitus oder Schwindelanfällen ist nicht selten der Zahnarzt der richtige Ansprechpartner. Warum?

Wenn der Kopf dröhnt oder der Nacken schmerzt, lohnt es sich in vielen Fällen, den Zahnarzt aufzusuchen. „Viele Patienten haben eine lange Leidenszeit hinter sich, da sie nicht wissen, dass ihre Beschwerden möglicherweise aus einem mangelhaften Zusammenbiss der Zähne oder einer Fehlregulation der Kiefergelenke und angrenzender anatomischer Strukturen resultieren“, betont Dr. Klaus-Peter Clausen, Fachmann für orale Chirurgie und Implantologie in Lübeck.

Eine falsche Bisslage erzeugt Verkrampfungen in der Schädelmuskulatur

Nicht selten haben Symptome wie Rückenschmerzen, Nacken- und Kopfschmerzen oder Ohrgeräusche (Tinnitus) ihren Ursprung in einer sogenannten Craniomandibulären Dysfunktion (CMD). Doch wie kommt es zu einer solchen Dysfunktion?

„Es gibt unterschiedliche Ursachen“, erklärt Dr. Clausen, der seit 20 Jahren CMD-Patienten behandelt:  „Zum Beispiel kann ein einzelner etwas höher stehender Zahn, etwa durch eine neue Füllung oder Krone, zu einer Verschiebung der Bisslage führen (siehe Abbildung), was zu einer einseitigen Verspannung der Kaumuskulatur und in der Folge zu einer Verkrampfung der gesamten Schädelmuskulatur führt.

Da der Körper bis zu einem gewissen Grad versucht, sich selbst zu schützen, werden solch asymmetrische Verkrampfungen von allen anderen Muskelgruppen im Körper kompensiert, was dann, wenn dieses Puffersystem erschöpft ist, Probleme in kieferfernen Bereichen, wie beispielsweise dem Rücken oder den Knien nach sich zieht.“ 

Sagen Sie Ihren Schmerzen den Kampf an!

Eine weitere Ursache für eine solch folgenschwere Verkrampfung der Kaumuskulatur kann auch der sogenannte Bruxismus sein, das heisst, dass Patienten aufgrund einer Stressbelastung unbewusst zumeist in der Nacht mit ihren Zähnen knirschen. Hierbei wirken extreme Kräfte auf die Kiefergelenke, welche zu einer Traumatisierung der Gelenkstrukturen führen.

In der Folge ist es wieder Aufgabe der Kaumuskeln, dieses Trauma auszugleichen, und auch in diesem Fall kann es nach Ausschöpfung aller Kompensationsmechanismen des Körpers zu Schmerzen und Problemen kommen, die zunächst mit dem Biss nichts zu tun zu haben scheinen.

Aufbissschienen können helfen

Doch was kann man nun tun, um eine Erkrankung dieser Art zu behandeln? In der Regel werden Craniomandibuläre Dysfunktionen mittels spezieller Aufbissschienen, nicht zu verwechseln mit einfachen „Knirscherschienen“, therapiert, die einen regelmäßigen Kontakt zwischen den Zahnreihen herstellen und so der Muskulatur ermöglichen, sich zu entspannen.

Diese individuellen Schienen werden mittels einer Computergestützten Vermessung der Bewegungsbahnen der Kiefergelenke hergestellt und müssen in regelmäßigen Abständen überarbeitet und angepasst werden, solange bis sich die Verkrampfungen und damit verbundenen Probleme und Schmerzen aufgelöst haben.

„Diese Behandlung kann bis zu drei Jahren dauern“, berichtet Dr. Clausen. „Und dann ist es sehr wichtig, die korrigierte Bisslage von der Schiene auf die Zähne zu übertragen, entweder durch kleinere Einschleifmaßnahmen oder durch den Aufbau von Funktionsflächen in Form von Inlays, Onlays oder Kronen auf den Zähnen.“

Abschließend sagt Herr Dr. Clausen, der schon zahlreichen CMD-Patienten helfen konnte, dass es wichtig sei, den Körper des Menschen als ganzheitlich funktionierendes System zu betrachten, besonders bei Symptomen, die auf eine Craniomandibuäre Dysfunktion hindeuten könnten.

Fragen Sie Dr. Clausen!

Dr. Clausen & Partner: Dr. Klaus-Peter Clausen (Master of Science für orale Chirurgie und Implantologie, links), Dr. Stefanie Clausen-Kestermann (Zahnärztin, Zertifizierte Implantologin) und Dr. Jan-Ole Clausen (Zahnarzt, Zertifizierter Implantologe, rechts).    

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