Unsichtbare Zahnfüllungen

Trotz guter Zahnpflege kann Karies entstehen. Spätestens wenn die Karies das Zahnbein erreicht hat, muss der Zahnarzt die Karies mit dem Bohrer entfernen und das Loch mit einer Füllung schließen.

Unsere Zähne verrichten jeden Tag Schwerstarbeit.  Das Kauen geschieht unter starkem Druck und strapaziert Zähne und Zahnschmelz mechanisch. Zudem greifen diverse Säuren und andere Substanzen aus den Lebensmitteln täglich den Zahnschmelz an.  Selbst bei bester Pflege ist keine Zahnoberfläche vor lokalen Entkalkungen und daraus folgendem Karies gefeit. Spätestens wenn die Karies den Zahnschmelz durchdrungen und das Zahnbein (Dentin) erreicht hat, muss der Zahnarzt handeln. Die Karies muss mit dem Bohrer entfernt werden, anschließend muss das Loch, die sogenannte Kavität, mit einer Füllung wieder verschlossen werden. Die Entscheidung, welche Füllung in Frage kommt, hängt davon ab, ob ein Front- oder Seitenzahn betroffen ist, wie groß der kariöse Schaden ist und nicht zuletzt,  welche Kosten akzeptabel sind.

Amalgam in der Kritik

In den vergangenen Jahrzehnten wurde oft Amalgam, ein Gemisch aus Kupfer, Silber, Zinkpulver und Quecksilber, für Füllungen verwandt. Der Vorteil einer solchen Füllung: Die Kosten waren gering, die Haltbarkeit extrem lang. Noch heute lassen sich die Kosten einer solchen Füllung durch die Sätze der Krankenkasse gänzlich decken. Dennoch weist Amalgam viele Nachteile auf. Die Fachwelt streitet noch immer, ob Amalgam gesundheitliche Schäden verursacht. „Doch allein die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, die den Einsatz von Amalgam bei bestimmten Indikationen einschränkt, lassen Rückschlüsse zu“, so Zahnarzt Dr. Jan-Ole Clausen. So wird bei Schwangeren, Allergikern oder Patienten mit Nierenerkrankungen von Amalgam-Füllungen abgeraten, ebenso von solchen Füllungen direkt am Zahnfleisch oder in der Nähe anderer Metalle. „Wir machen solche Füllungen daher generell nicht mehr“, fügt Zahnärztin Dr. Stefanie Clausen-Kestermann an. Und unsichtbar ist eine solche Füllung ohnehin nicht (siehe Abbildung). Im Frontbereich verbietet sich der Einsatz dieses Materials von selbst, auch im Seitenzahnbereich ist die „silberne Füllung“ für die beiden Zahnärzte keine gute Option.

Füllungen aus Kunststoff: preiswert und kaum zu sehen

Kunststofffüllungen sind nahezu unsichtbar können auf den Farbton des Zahnes abgestimmt werden (siehe Abbildung). Daher sind sie auch im Frontzahnbereich einsetzbar. Als preiswertestes Material kommt ein selbsthärtender Kunststoff zum Einsatz. „Meist als Provisorium, denn die Haltbarkeit ist begrenzt“, sagt Dr. Jan-Ole Clausen. Besser sind die sogenannten lichthärtenden Komposit-Materialien, denen Keramikpartikel beigemischt werden. „Je höher der Keramikgehalt, desto langlebiger die Füllung“, so der Fachmann. Dieses Material schrumpft bei der Verarbeitung kaum und weist daher eine hohe Randdichte auf. Es ist zudem gut polierbar, hat eine geringe Abrasion (Abnutzung) und entspricht bei der Lichtreflektion optisch fast dem natürlichen Zahnschmelz. Die Verarbeitung dieser plastischen Füllmaterialien geschieht wie folgt:  Der Zahnschmelzbereich an der Kavität wird angeschrägt, um die Klebefläche zu vergrößern. Nach der Trockenlegung werden Zahnschmelz und Zahnbein mit einer Phosphorsäure gereinigt und mit einem sogenannten Adhäsiv (Klebeschicht) versehen. Dann wird das Füllmaterial in Schichten von etwa zwei Millimetern aufgetragen und einzeln mit Blaulicht ausgehärtet. Die Anzahl der Schichten ist beliebig, sodass auch tiefe Kavitäten aufgefüllt werden können. Mit einer Matrize, also einem Metall- oder Folienband, das als Formgebungshilfe um einen Zahn gelegt wird, lassen sich auch große, mehrflächige Kavitäten auffüllen. Zu guter Letzt werden dann die Oberflächen modelliert, geglättet und poliert, fertig ist die unsichtbare Füllung.

Lange Zeit haltbar: Inlays aus Keramik oder Gold

Trotz der Hochwertigkeit der Komposit-Füllungen ist ihre Haltbarkeit begrenzt. Als langfristig haltbare Alternative gelten Keramik- oder Gold-Inlays. Für die Inlays aus Gold (siehe Abbildung oben) werden nach dem Beschliff des Zahns Silikonabdrücke gefertigt, mit denen im Dentallabor Gussformen für passgenaue Inlays produziert werden. Das Inlay wird dann in der Kavität zementiert. Unsichtbar wird es jedoch nur mit speziellen zahnfarbenen Keramikbeschichtungen. Für Kermaik-Inlays (siehe Abbildung unten) kommen Silikonabdrücke und auch optische Abdrücke, die über eine spezielle Kamera hergestellt werden, zum Einsatz. Mit den 3D-Daten eines solchen digitalen Abdrucks werden Fräsmaschinen gesteuert, die ein passgenaues computergefrästes Inlay aus einem extrem harten Kreamikblock produzieren. Dieses wird dann ebenfalls in der Kavität verklebt. Das so verarbeitete Material besticht durch große Festigkeit. Außerdem ermöglicht es einen sehr guten Randschluss, weil es keine Schrumpfung durch den Aushärtungsprozess gibt. Am Ende steht eine lang haltbare, zahnfarbene Füllung, die auch bei den größten Lachern unsichtbar bleibt. Bis vor einigen Jahren waren diese Inlays noch deutlich teurer als die Gold-Variante, doch der rasante Preisanstieg für das Edelmetall hat diesen Vorteil längst aufgefressen.

Doch ganz gleich, ob Füllung oder Inlay, Keramik oder Gold: Mit jeder Lösung wird der Zahn vor weiteren Schadensverläufen geschützt und  kann über viele Jahre wieder seine Aufgabe schmerzfrei erfüllen. Kauen ist Voraussetzung für kulinarischen Genuss, und Genuss ist Lebensqualität in Reinform.

Dr. Clausen & Partner: Dr. Klaus-Peter Clausen (Master of Science für orale Chirurgie und Implantologie, links), Dr. Stefanie Clausen-Kestermann (Zahnärztin, Zertifizierte Implantologin) und Dr. Jan-Ole Clausen (Zahnarzt, Zertifizierter Implantologe, rechts).    

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