Zähneknirschen: Stress für Kiefer und Zähne

Es gibt Geräusche, die vielen Menschen durch Mark und Bein gehen. Gleich nach der quietschen Kreide auf der Tafel rangiert meist das Zähneknirschen auf der Gruselskala.

Der sogenannte Bruxismus ist ein Phänomen, das bereits die Dimensionen einer Volkskrankheit einnimmt.

Nachts wird der Stress "weggeknirscht"

Als Hauptursache gilt schlicht Stress. "Bereits jeder fünfte Patient hat eindeutige Anzeichen für Zähneknirschen", sagt Zahnarzt Dr. Jan-Ole Clausen, der bei jeder Untersuchung nach Spuren des Bruxismus sucht. „Indem die Muskulatur arbeitet, wird der Stress abgebaut", so Dr. Clausen. Nur etwa die Hälfte der Betroffenen weiß um das Problem, denn meist wird der Stress nachts weggeknirscht. Stark ausgeprägte Kaumuskeln sowie Schmerzen in der Muskulatur und im Kiefergelenk sind meist eindeutige Indizien. Meistens sind es jedoch die „schlaflosen" Partner, die den Knirscher auf das Problem aufmerksam machen.

Nicht nur ein akustisches Problem

Doch Zähneknirschen ist kein akustisches Problem. Beim normalen Kauen lastet ein Druck auf dem Zahn, der einem Gewicht von drei bis vier Kilogramm entspricht. In Spitzen können es 80 bis 90 Kilogramm sein, selbst 300 bis 400 Kilogramm wurden bei Knirschern bereits gemessen. Das hat schwerwiegende Folgen für das Gebiss, denn der Zahnschmelz wird regelrecht abgeschliffen. „Das kann bis aufs Zahnbein gehen. Das ist dann sehr schmerzhaft, da ein direkter Kontakt zum Zahnnerv entsteht", so Dr. Clausen. Auch der Kieferknochen und der gesamte Halteapparat eines Zahnes kann durch die immense Belastung Schaden nehmen, Zähne können locker werden. In Kombination mit Parodontitis wird das Zähneknirschen dann besonders problematisch. Es droht letztlich der Zahnverlust.

Auch das Kiefergelenk leidet

Nicht nur die Zähne, auch das Kiefergelenk leidet stark unter Zähneknirschen und -pressen. Da der Unterkiefer nur lose in der Gelenkpfanne aufgehängt ist, kommt es durch die starke Beanspruchung zu Abnutzungen, die ein Knacken und Knirschen im Gelenk zur Folge haben können. Zudem bewirkt das Knirschen auf Dauer starke Muskelverspannungen im Nacken- und Rückenbereich. Kopfschmerzen, Migräne oder gar Tinnitus können ebenfalls Folgen des Knirschens sein. Selbst Erschöpfungszustände oder gar Depressionen werden beobachtet, den die Dauer der Tiefschlafphase reicht beim Knirscher meist nicht zur Regeneration aus – beim mitleidenden Bettnachbarn übrigens auch nicht.

Schnell die Symptome lindern

Wird das Knirschen rechtzeitig diagnostiziert, kann den Betroffenen schnell geholfen werden. „Wir können zwar den Stress nicht einfach abstellen, doch wir können die Symptome lindern", so Dr. Clausen. Eine Aufbiss-Schiene kann helfen, die Schäden an Zähnen zu verhindern und das Kiefergelenk zu entlasten. Von relativ einfach bis individuell modelliert gibt es diese 1,5 bis zwei Millimeter starken Kunststoffschienen. „Quasi ein Stoßdämpfer für die Zähne", sagt Dr. Clausen. Sind bereits starke Abnutzungen der Zähne erkennbar, kann der Zahnarzt Kauflächen und Schneidekanten mit kleinen Keramik- oder Kunststoffelementen aufarbeiten. „Das ist im Prinzip künstlicher Zahnschmelz", erläutert Dr. Clausen. Entspannungstechniken und Physiotherapie für die Kaumuskeln begleiten solche Behandlungen sinnvoll.

Muskelverspannungen, Kopfschmerzen oder Erschöpfung

Schwieriger wird die Behandlung allerdings, wenn der Patient durch das Knirschen bereits eine Kieferfehlstellung, eine sogenannte Cranio-Mandibuläre Dysfunktion (CMD), entwickelt hat. „Das fehlerhafte Zusammenspiel von Ober- und Unterkiefer beziehungsweise eine falsche Bisslage kann die Muskulatur des gesamten Bewegungsapparates beeinträchtigen", so der Zahnarzt. Auch CMD-Patienten klagen häufig über Muskelverspannungen, Kopfschmerzen oder Erschöpfungszustände, ähnlich den Symptome des Knirschens. Diese Fehlstellung kann über eine computergestützte Vermessung des Kiefers (IPR-System) genau analysiert werden. Die Beseitigung dieser Fehlstellung erfolgt zunächst ebenfalls durch eine speziellen Biss-Schiene. Später kann durch Zahnbeschliff, Kronen und Prothesen der Biss dauerhaft korrigiert werden.

Ursachen ernst nehmen

Doch damit es erst gar nicht so weit kommt, ist es ratsam, das Zähneknirschen samt seiner Ursachen ernst zu nehmen. „Viele Patienten wissen darum, ignorieren es jedoch einfach", so Dr. Clausen", und irgendwann gehen sie sprichwörtlich auf dem Zahnfleisch."

Genau die richtigen Ansprechpartner: Dr. Clausen und PartnerDr. Clausen & Partner: Dr. Klaus-Peter Clausen (Master of Science für orale Chirurgie und Implantologie, rechts), Dr. Stefanie Clausen-Kestermann (Zahnärztin, Zertifizierte Implantologin) und Dr. Jan-Ole Clausen (Zahnarzt, Zertifizierter Implantologe, links).  

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